1. Bildungskongress für Rettungsdienst in Fürth

01.04.2025

 

(Leider) kein Aprilscherz…
Bildung im Rettungsdienst stärken –  Ich war am 27. und 28. März 2025 in FÜhrt beim 1. Bildungskongress Rettungsdienst in Fürth. Mit vielen Eindrücken, spannenden Diskussionen, alten und neuen Bekanntschaften und motiviertem Blicken über den Tellerrand kehrte ich zurück nach Hause. Mal sehen, was die Zukunft bringt… 

Bildung im Rettungsdienst:
Perspektiven, Herausforderungen und Impulse vom Bildungskongress Fürth 2025

Beim Bildungskongress Rettungsdienst Ende März 2025 in Fürth trafen sich Vertreter:innen aus Praxis, Berufsfachschulen, Hochschulen und Verbänden, um sich mit der Weiterentwicklung der Ausbildung im Rettungsdienst auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt standen Fragen der Qualitätssicherung, die Notwendigkeit einer Akademisierung, die Rolle der Praxisanleitung sowie innovative didaktische Konzepte.
 
Akademisierung: notwendiger Schritt oder Stolperstein?
Ein Diskussionsthema war die Akademisierung des Berufsstands. Während ein Teil der Referierenden – wie Eugen Latka – eine Akademisierung als logische Konsequenz zur Professionalisierung und Standardisierung der Ausbildung sah, wurden von anderen Stimmen wie Frank Flake Bedenken hinsichtlich Umsetzbarkeit und Akzeptanz geäußert. Es ging um Fragen wie:
  • Wer bestimmt über die Weiterentwicklung des Berufs – die Berufsgruppe selbst oder externe Fachkräfte?
  • Welche Studiengänge braucht es künftig im Rettungsdienst?
  • Wie kann die Qualität in der Praxis durch akademische Fundierung gestärkt werden?
Der internationale Vergleich zeigte: In der Schweiz beispielsweise existiert ein landesweiter Rahmenlehrplan, der regelmäßig überarbeitet wird und auf Handlungskompetenz ausgerichtet ist. Dieser systematische Zugang ermöglicht Durchlässigkeit und Orientierung. In Österreich hingegen fehlt es vielerorts an einer kohärenten Strategie. Der Beitrag von Christoph Redelsteiner lenkte den Blick auf die Situation in Österreich. Die derzeitigen Ausbildungsstrukturen weisen Defizite auf – unter anderem hinsichtlich Curriculumsqualität, Praxisnähe und systematischer Kompetenzentwicklung. (Danke auf für den Hinweis auf die Ausbildung der Friseure und Weinbauern) 
 
Praxisanleitung und klinische Ausbildung – zentrale Stellschrauben
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Praxisanleitung. Dozentin Pia Welfers betonte, dass Praxisanleiter:innen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte, Haltung und Orientierung geben (sollten). Sie sind Leuchttürme im Ausbildungsalltag – und brauchen entsprechende Strukturen, Weiterbildung und Unterstützung. Ein modernes Ausbildungskonzept muss die Bedürfnisse der GenZ kennen und berücksichtigen.
Auch die klinische Ausbildung wurde kritisch beleuchtet. Sebastian Habicht forderte eine gezieltere Anleitung und strukturierte Feedbackprozesse. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung medizinischer Fertigkeiten, sondern auch um Kooperation und Kommunikation – insbesondere mit Pflegepersonal in Ausbildungseinrichtungen.
 
Simulation und szenarienbasiertes Lernen
Simulation nimmt in der rettungsdienstlichen Ausbildung zunehmend Raum ein. Dabei gilt: High-Fidelity-Settings sind nicht per se überlegen. Vielmehr muss das Setting zum Ausbildungsstand passen. Dr. Hanna Schröder und Klaus Meyer hoben hervor, dass Szenarien lernzielorientiert, realitätsnah und reflektionsbasiert gestaltet sein müssen. Die Methode Learning Conversation – ein strukturiertes Reflexionsgespräch zwischen Lernenden und Anleitenden – wurde als Beispiel guter Praxis vorgestellt.
 
Didaktik als Gestaltungskunst
Dr. Thomas Prescher stellte die Didaktik als „Kunst“ vor – nicht nur im Sinne der Theorievermittlung, sondern als kreativen und beziehungsorientierten Prozess. Gute Didaktik müsse nicht perfekt sein, aber funktionieren. Es gehe darum, Unterricht zu gestalten, der realitätsnah, motivierend und flexibel ist – auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen.
 
Was nehmen wir mit – Take Home…
🧠 Bildung ist ein Prozess – kein Zustand.
🤝 Kooperation, Kommunikation und Qualität sind keine Buzzwords – sie sind Grundlage für gutes Lernen.
🚀 Und: Lehren darf (und soll!) auch Spaß machen.
 
Somit ist die Take-Home-Botschaft:
🌀 Gedanken sortieren.
🧭 Weiterdenken.
🔧 Ausprobieren.
🔁 Verändern.
 
Für eine Ausbildung, die vorbereitet.
Für eine Berufsgruppe, die selbstbewusst gestaltet.
Und für Menschen, die auf uns zählen – als Patient:innen. Und als Lernende.
 
 
Fazit: Jetzt ist der Moment
Jetzt heißt es: Gedanken sortieren. Weiterdenken. Ausprobieren. Verändern.
Für eine Ausbildung, die unsere Auszubildenden auf die Einsatzrealität vorbereitet – und unsere Patient:innen bestmöglich versorgt.
Für eine Lehre, die inspiriert. Und für eine Berufsgruppe, die endlich selbst über ihre Zukunft bestimmt.